Sozialgesellschaft 5.0 vs. Industrie 4.0 — ein Denkanstoß

Japan macht es vor: auf der Roboterausstellung IREX in Tokio werden Roboter aller Art vorgestellt. Von humanoiden Exemplaren über Alltagshelfer hin zu Industrie-Erleichterungen ist alles geboten. Dabei wurde in diesem Jahr das Hauptaugenmerk auf die — im Vergleich zum Wachstum der Industrie — eindeutig rascher alternde Gesellschaft gelegt.

Das Durschnittsalter der in der Landwirtschaft arbeitenden Bevölkerung liegt in Japan bei 67. Aus diesem Grund liegen rund ein Viertel der zu bewirtschaftenden Felder brach. Zumindest wird dieses Freiland nicht sogleich als Baugrund freigegeben. Nein- hier zählt der sozialgesellschaftliche und – wie treffend formuliert – der humane Gedanke. Die Bevölkerung soll weder Hunger leiden, noch sich zu Tode schuften, doch auch nicht unter Arbeitsmangel stehen.

Senioren Hilfen im Alltag zu bieten, nachkommenden Generationen neue Anreize zu schaffen und  jedem das Gefühl zu geben, dass er noch gebraucht wird. Roboter sollen uns in allen Lebenssituationen das Leben erleichtern. Ob als fernsteuerbarer Traktor, der das Feld autark bestellt, als praktische, humanoide Reinigungskraft oder als Lastenunterstützung, wenn die Einkäufe und Getränkekästen zu schwer sind.

Die Ideen und Ansätze sind großartig — keine Frage –, doch auch wenn auf der Messe diese Entwicklungen bereits als Show-Elemente zur Verfügung stehen, ist es zur Serienproduktion noch ein weiter Weg. Die Realität der alternden Gesellschaft kollidiert mit den prototypischen, motorisierten Idealvorstellungen der Entwickler und es stellt sich die Frage, ob der ökologische Fortschritt und die ökonomische Gier jemals von den motivierten Ideen kluger Köpfe eingeholt werden kann.

Ich war bisher immer der Ansicht, der technische Fortschritt würde mich überrollen und irgendwann könnte ich nicht mehr Schritt halten. Vielmehr verhält es sich umgekehrt und wir können nur hoffen, dass der Markt mit zahlreichen motorisierten Helfern überrollt wird, die uns dabei unterstützen unseren Alltag zu bewältigen, Kranken ein Stück Leben zurückgeben und Senioren das Leben auch mit ihren physischen Einschränkungen lebenswert zu machen.  Vielleicht hätten wir dann endlich einmal wieder mehr Zeit, die wir mit unserer Familie verbringen können, mehr Zeit zu reisen, das Leben zu genießen und uns um unsere Nächsten zu kümmern.

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